Thought Leadership
-
June 19, 2026

2026 beginnt digitale Souveränität mit Infrastruktur-Entscheidungen

Written by
Thomas Thelliez
Summarize with AI:

Jahrelang schien die Richtung klar. Um Agilität zu gewinnen, Bereitstellungen zu beschleunigen und Abläufe zu vereinfachen, verlagerten Unternehmen ihre Workloads in die Public Cloud, standardisierten ihre Umgebungen und setzten verstärkt auf Managed Services. Diese Entwicklung brachte echte Vorteile. Sie modernisierte technische Grundlagen, reduzierte bestimmte operative Reibungsverluste und ermöglichte eine schnellere Ausführung.

Doch im Jahr 2026 greift dieses Framework nicht mehr. Nicht, weil die Cloud irrelevant geworden ist, sondern weil sich die Bedingungen geändert haben. Technologische Abhängigkeit, Datensensibilität, operationale Resilienz und die Fähigkeit, die Kontrolle zurückzugewinnen, sind zu zentralen Anliegen geworden. Digitale Souveränität ist nicht länger nur ein institutioneller Anspruch. Sie wird zu einer sehr konkreten Governance-Frage.

Mit anderen Worten: Die Infrastruktur rückt wieder in den strategischen Fokus.

KI verändert die Spielregeln

Der Aufstieg der KI beschleunigt diesen Wandel. In den letzten zwei Jahren hat sie nicht nur Produkte und Anwendungsfälle verändert. Sie hat auch die ökonomischen Rahmenbedingungen der Infrastruktur selbst neu definiert. Rechenleistung, Arbeitsspeicher, Speicherplatz, Energie, verfügbare Kapazität und Kostenprognostizierbarkeit sind wieder kritische Variablen.

Für einen CIO verändert dies die Abwägungsprozesse grundlegend. Infrastruktur ist nicht länger nur ein Thema der Optimierung. Sie ist wieder ein Thema der Kontrolle. Unternehmen müssen sich nun fragen, wie weit sie bereit sind, von externen Ökosystemen abhängig zu sein, um Workloads zu betreiben, die sensibler, kostspieliger und zentraler für ihr Geschäft geworden sind.

Es geht nicht darum, sich für eine Seite zu entscheiden

In diesem Kontext ist es eine falsche Dichotomie, die Debatte als Cloud versus On-Premise darzustellen. Ein vollständiger Umstieg auf die Cloud ist kein Fehler. Ein vollständiges Setzen auf On-Premise ist keine universelle Antwort. Die eigentliche Frage für CIOs liegt woanders: Welche Komponenten müssen streng kontrolliert bleiben? Bei welchen Workloads muss die Reversibilität gewahrt bleiben? Ab welcher Schwelle wird Abhängigkeit zu einem Risiko?

Dort beginnt digitale Souveränität im Jahr 2026. Nicht in der Ablehnung eines Modells, sondern in der Fähigkeit, fundierte Entscheidungen zu treffen. Ein Unternehmen ist souverän, wenn es entscheiden kann, wo es seine Workloads betreibt, basierend auf deren Kritikalität, Datensensibilität, Leistungsanforderungen, regulatorischen Beschränkungen und der langfristigen Kostenkalkulation.

Es ist auch souverän, wenn es noch über das nötige Fachwissen verfügt, um nicht vollständig den Anbietern ausgeliefert zu sein. Denn Souveränität hängt nicht allein vom Standort der Infrastruktur ab. Sie hängt gleichermaßen von der Fähigkeit ab, diese Infrastruktur zu entwerfen, zu betreiben und weiterzuentwickeln.

Hybrid ist kein Kompromiss mehr – es ist eine Strategie

Dies ist die Logik, die wir bei Positive anwenden. Unsere Überzeugung entstand nicht erst mit der KI. Ein Teil unserer Plattform läuft seit langem auf On-Premise-Infrastruktur, gestützt durch internes Fachwissen in Betrieb und Skalierung. Parallel dazu sind wir auch umfassend in der Public Cloud tätig. Heute basiert unser Modell auf einem etwa 50/50-Verhältnis zwischen Cloud und On-Premise.

Dieses Gleichgewicht ist nicht ideologisch. Es spiegelt eine Portfolio-Logik wider. Einige Workloads profitieren voll von der Flexibilität der Cloud. Andere rechtfertigen ein direkteres Maß an Kontrolle. Wir haben diesen Ansatz mit On-Premise-Teams in Frankreich und Deutschland sowie Cloud-DevOps-Hubs in Polen, Frankreich und Italien strukturiert.

Diese operative Tiefe ändert alles. Sie ermöglicht es uns, die richtige Umgebung basierend auf dem tatsächlichen Bedarf zu wählen, anstatt jeden Anwendungsfall in ein einziges Modell zu zwingen. Innerhalb dieser Logik verstärken wir im Jahr 2026 unsere On-Premise-Präsenz, insbesondere um die Migration von User.com by Positive in On-Premise-Umgebungen zu unterstützen.

Auch hier geht es nicht darum, sich von der Cloud abzuwenden. Es geht darum, Spielraum zurückzugewinnen – bei den langfristigen Kosten, beim Schutz bestimmter Daten, bei der Leistungsvorhersagbarkeit und bei der Freiheit zu experimentieren. Stand Februar umfasste diese Infrastruktur bereits 8,81 THz CPU-Kapazität, 8,7 TB RAM und 158 TB Speicherplatz.

Die wichtigsten Erkenntnisse für CIOs

Das Erfolgsmodell ist weder reine Cloud noch reines On-Premise. Es ist hybrid, konzipiert als Strategie zur Kontrolle. Die Cloud bleibt unerlässlich für Elastizität, Bereitstellungsgeschwindigkeit und den Zugang zu fortschrittlichen Diensten. On-Premise gewinnt an Wert, wenn Bedenken hinsichtlich Kosten, Latenz, Sicherheit, Souveränität oder Datenkontrolle strukturell bedeutsam werden.

Doch dieser Ansatz erfordert echte Disziplin. Eine glaubwürdige Hybridstrategie bedeutet nicht, Workloads willkürlich zu verteilen. Sie erfordert konsistente Sicherheitsstandards, umgebungsübergreifende Observability, eine FinOps-Kultur, robuste Automatisierung und Teams, die in der Lage sind, mehrere Modelle nachhaltig zu betreiben, ohne organisatorische Schulden anzuhäufen.

Souveränität ist daher nicht primär eine Frage von Assets. Sie ist vor allem eine Frage der Kompetenz.

Souveränität beginnt damit, sich Optionen offenzuhalten

Europa tut gut daran, digitale Souveränität ins Zentrum der Debatte zu stellen. Doch für Unternehmen beginnt sie nicht bei Slogans oder bloßer Rhetorik. Sie beginnt mit einem Architekturdiagramm, mit Standortentscheidungen, mit der Steuerung von Abhängigkeiten und mit der Fähigkeit, mehrere praktikable Optionen offenzuhalten.

Im Jahr 2026 ist Infrastruktur wieder strategisch, weil der Kontext eingeschränkter, volatiler und anspruchsvoller ist. In diesem neuen Zyklus werden die widerstandsfähigsten Organisationen nicht diejenigen sein, die am meisten über Souveränität gesprochen haben. Es werden diejenigen sein, die genügend Kontrolle behalten haben, um niemals von einer einzigen Option abhängig zu sein.